Vite, Menschen
Ferrari, Sardinien als Reisanbaugebiet: Eine Geschichte von Land, Forschung und Zukunft
Von Jessica Cani
Wenn wir an die Landwirtschaft Sardiniens denken, haben wir Olivenhaine, Weinberge, Weideland und Weizenfelder vor Augen. Reis hingegen gehört nur selten zu den Dingen, die uns spontan einfallen. Und doch gibt es in der Ebene von Oristano einen Teil Sardiniens, in dem seit mehr als einem halben Jahrhundert Reis angebaut, neue Sorten entwickelt, Technologien erprobt und ein landwirtschaftlicher Betrieb aufgebaut wird, dessen Perspektive weit über die Ernte hinausgeht. Hier ist der Betrieb der Familie Ferrari tätig. Seine Geschichte erstreckt sich über drei Generationen und zeigt aus nächster Nähe, wie eine Landwirtschaft entstehen kann, die Produktion, Forschung, Nachhaltigkeit und die Entwicklung der Region miteinander verbindet.
Wenn Carlo Ferrari die Geschichte des Betriebs erzählt, kommt er unweigerlich auf seinen Vater Angelo zurück und auf eine Entscheidung, die im Rückblick dazu beigetragen hat, den beruflichen Weg der Familie grundlegend zu verändern. Doch noch bevor der Reis ins Spiel kam, gab es eine Geschichte von Migration, Arbeit und einer Zugehörigkeit, die erst mit der Zeit gewachsen ist. Denn die Ankunft der Familie Ferrari auf Sardinien war ursprünglich nicht als dauerhafter Umzug gedacht, und auch der Reisanbau gehörte damals noch nicht zur Zukunft der Familie.
1938 kommen die Eltern von Angelo Ferrari, beide ursprünglich aus der Provinz Brescia in Norditalien, nach Sardinien, nachdem sein Großvater ein Jobangebot bei einem Landwirtschaftsbetrieb angenommen hat. Ursprünglich ist nur ein vorübergehender Aufenthalt geplant. Doch die Familie bleibt auf der Insel und beginnt mit einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb, während sie nach und nach Wurzeln schlägt. Angelo wird in Oristano geboren, wo auch seine Geschwister aufwachsen. Er wächst in einem Umfeld auf, in dem die Landwirtschaft eine konkrete Möglichkeit bietet, sich eine Zukunft aufzubauen.
Schon als Junge zieht es ihn mehr aufs Feld als zu den Büchern. Er möchte seinen Vater bei der Arbeit begleiten und möglichst viel Zeit im Freien verbringen. Diese Neigung führt schließlich dazu, dass er in der Landwirtschaft arbeitet und sich so bald wie möglich selbstständig macht. Zunächst kauft er kleinere Grundstücke. Gegen Ende der 1960er-Jahre gelingt es ihm schließlich, ein größeres Stück Land in der Ebene von Oristano zu erwerben – in einem Gebiet, das sich zu einem der wi
Angelo verwandelt dieses Grundstück in eine Reisfläche. Im Sardinien der Nachkriegszeit eröffneten die Melioration und der Ausbau der Wasserinfrastruktur neue Möglichkeiten für die Landwirtschaft. In der Ebene von Oristano ermöglichten das flache Gelände und das Bewässerungsnetz des Meliorationskonsortiums eine zuverlässigere Wasserversorgung. Die ersten Versuche mit dem Reisanbau in der Region reichen bis in die 1950er-Jahre zurück und sind Teil dieses umfassenderen landwirtschaftlichen Wandels.
Für den Reisanbau ist Wasser eine grundlegende Voraussetzung. Es zuverlässig bewirtschaften und verteilen zu können bedeutet, eine solide Grundlage für die Produktionsplanung zu haben. Angelo erkennt in diesen Bedingungen eine Entwicklungschance und entscheidet sich, auf den Reisanbau zu setzen, obwohl er auf der Insel noch keine etablierte Kulturpflanze ist.
In den 1970er-Jahren, als auch andere Landwirte begannen, in den Reisanbau zu investieren, arbeitete Angelo zugleich an einem anderen Thema: Er passte landwirtschaftliche Maschinen an die Anforderungen einer Kulturpflanze an, die eine spezielle Bodenbearbeitung erfordert. Die verfügbaren Traktoren und Geräte waren nicht immer für die Vorbereitung der Reisfelder geeignet. Es brauchte Anpassungen, Versuche und praktische Lösungen. Angelo modifizierte die Ausrüstung und experimentierte, um Probleme zu bewältigen, die sich nicht einfach durch den Kauf einer neuen Maschine lösen ließen. Darin zeigt sich ein erstes prägendes Merkmal der Geschichte der Familie Ferrari: die Bereitschaft, nach Lösungen zu suchen, anstatt technische Grenzen als unveränderlich hinzunehmen.
„Wir sind gerne innovative Landwirte, aber eben immer noch Landwirte“, erzählt Carlo Ferrari. In diesem Satz liegt vielleicht die treffendste Zusammenfassung dessen, wie die Familie ihre Arbeit versteht. Innovativ zu sein bedeutet nicht, sich von der Erde zu entfernen, sondern sie besser kennenzulernen, zu beobachten, was auf den Feldern geschieht, und Wege zu finden, gezielter und bewusster einzugreifen.
Der Begriff „Landwirt“ steht hier für einen konkreten Beruf und nicht für eine idealisierte Vorstellung vom Landleben, wie sie in der heutigen Kommunikation häufig vermittelt wird. Angelo hatte den Betrieb mit vergleichsweise kleinen Grundstücken aufgebaut und musste seine Arbeit an die örtlichen Bedingungen anpassen. Die nächste Generation trat dieses Erbe an und begann, die Entwicklung des Betriebs an langfristigen Zielen auszurichten. Es ging nicht nur darum, Reis anzubauen, sondern auch darum, ihn besser zu produzieren, Verschwendung zu reduzieren, Ressourcen effizienter einzusetzen und die Ertragsfähigkeit des Bodens langfristig zu erhalten.
Wenn landwirtschaftliche Nachhaltigkeit nicht länger nur ein Begriff in der Kommunikation ist, sondern zur Methode wird, bedeutet das, jeden einzelnen Schritt der Produktion zu hinterfragen. Für Carlo nahm dieses Bewusstsein vor allem in den 1990er-Jahren Gestalt an, als die Auswirkungen der Landwirtschaft auf die Umwelt auch in der öffentlichen Debatte zunehmend an Bedeutung gewannen. In den 2000er-Jahren entwickelte sich dieser Ansatz mit dem Einstieg der jüngeren Generation zu einer strukturierteren, langfristig angelegten Unternehmensstrategie. Ziel ist es, anzuerkennen, dass Landwirtschaft nicht nachhaltig sein kann, wenn ein Betrieb wirtschaftlich nicht bestehen kann. Gleichzeitig lässt sich Rentabilität nicht anstreben, ohne die ökologischen und sozialen Folgen der Produktion zu berücksichtigen.
Das Land ist ein Erbe, das denjenigen anvertraut wird, die es bewirtschaften – mit der Verantwortung, seine Ertragsfähigkeit auch für kommende Generationen zu bewahren.
Eines der Instrumente, die zu diesem Wandel beigetragen haben, ist die Präzisionslandwirtschaft: eine Reihe von Methoden, mit denen sich die Bedingungen auf den Feldern genauer erfassen und gezielte Maßnahmen ergreifen lassen, anstatt jede Fläche als gleichförmig zu behandeln. Die Erfassung von Unterschieden hilft dabei zu erkennen, wo ein Eingreifen notwendig ist und wo es sich vermeiden lässt.
Die Familie Ferrari begann bereits vor einigen Jahren, mit dem Einsatz von Drohnen zur Kartierung der Anbauflächen zu experimentieren, als diese Technologien noch weniger verbreitet waren. Anhand der Luftaufnahmen lassen sich Unterschiede in der Vegetation und Anzeichen von Pflanzenstress erkennen, die wertvolle Hinweise für die Planung von Kontrollen und Maßnahmen liefern. Damit diese Daten tatsächlich von Nutzen sind, müssen sie interpretiert und mit agronomischem Fachwissen verknüpft werden. Deshalb hat der Betrieb auch in Ausrüstung und Software investiert, die mit den erfassten Daten arbeiten können und daraus konkrete Handlungsempfehlungen ableiten.
Hier kommt auch die künstliche Intelligenz ins Spiel, und zwar in ihrer praktischen Anwendung: Systeme, die große Datenmengen verarbeiten, Zusammenhänge erkennen und die Entscheidungsfindung unterstützen können. Sie dienen dazu, einen Prozess effizienter zu gestalten, der Beobachtung, Fachwissen und die Fähigkeit zur Interpretation erfordert. Präzisionslandwirtschaft trägt dazu bei, den Einsatz von Ressourcen und Betriebsmitteln zu reduzieren, Verschwendung zu begrenzen und die Arbeitszeit besser zu nutzen.
Auch die Mechanisierung spielt eine wichtige Rolle. Moderne Landmaschinen bieten den Beschäftigten ein deutlich höheres Maß an Sicherheit und Komfort als noch vor einigen Jahrzehnten. Sie verbessern nicht nur die technische Ausstattung, sondern auch die Arbeitsbedingungen und den Schutz der Menschen, die ihre Tage auf dem Feld verbringen. Das ist eine Dimension der Nachhaltigkeit, die häufig im Hintergrund bleibt, überlagert von der Aufmerksamkeit für neue Technologien oder das Endprodukt. Für die Familie Ferrari entspringt die Entscheidung, in Innovation zu investieren, dem Wunsch, all diese Aspekte miteinander zu verbinden: die Gesundheit des Bodens, die Produktionseffizienz, die Sicherheit der Beschäftigten und die wirtschaftliche Nachhaltigkeit.
Wenn der Anbau die sichtbarste Verbindung zwischen dem Betrieb und dem Land darstellt, zeigt die Sortenforschung eine weitere, weniger unmittelbar erkennbare Seite der Arbeit – zumindest für diejenigen, die eine Packung Reis kaufen, die jedoch für das Verständnis des Betriebs von grundlegender Bedeutung ist.
Die Familie Ferrari ist eng mit der Sortenauswahl und der Saatgutproduktion verbunden. 1978 gehörte Angelo zu den Mitbegründern von Sardo Piemontese Sementi, einem Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss von acht Familien hervorging, vier aus Sardinien und vier aus dem Piemont. Ein Projekt, das zwei Regionen mit einer langen landwirtschaftlichen Tradition zusammenbringt und 2028 sein fünfzigjähriges Bestehen feiern wird.
Die Saatgutproduktion ist von Bedeutung, weil sie die Arbeit an den Anfang der Lebensmittelproduktion verlagert. Der Betrieb verfügt über ein Forschungszentrum, in dem verschiedene Sorten gekreuzt und selektiert werden. Aus dieser Arbeit sind Sorten hervorgegangen, die dazu beigetragen haben, die Vielfalt des italienischen Reisanbaus zu erweitern. Zu den bekanntesten zählt Venere, ein aromatischer schwarzer Reis, der durch Sortenforschung entwickelt und 1997 patentiert wurde. Heute wird die Vermarktung durch eine Exklusivvereinbarung mit Riso Scotti geregelt. Das Unternehmen übernimmt im Rahmen dieser Vereinbarung die Verarbeitung und den Vertrieb, während für die landwirtschaftliche Erzeugung spezifische Anbau- und Erntevorschriften gelten.
Neben dem schwarzen Reis hat die Selektionsarbeit zur Entwicklung von Ermes, einem durch Kreuzung entstandenen roten Reis, und Apollo geführt. Apollo ist ein langkörniger, aromatischer Reis und zugleich eine italienische Alternative zu Basmati. Vielen Verbrauchern ist er vertraut, weil er häufig mit leichter Ernährung und bestimmten Ernährungsformen in Verbindung gebracht wird. Apollo weist ähnliche Eigenschaften auf.
Ergänzt wird das Sortiment durch bekanntere Sorten der italienischen Küche wie Carnaroli und Arborio, die sich besonders für Risotto eignen, sowie durch Artemide, einen langkörnigen, pigmentierten Reis, der sich für Reissalate, komplette Reisgerichte und Zubereitungen eignet, bei denen die Konsistenz und Form des Korns eine wichtige Rolle spielen. Artemide wurde im Rahmen desselben Forschungsprogramms entwickelt, aus dem auch Venere hervorging. Lange stand die Sorte im Schatten der Bekanntheit des schwarzen Reises. Inzwischen erschließt sie sich jedoch neue Absatzmöglichkeiten, unter anderem über kleine und mittelgroße Reismühlen sowie landwirtschaftliche Betriebe, die besondere Sorten auf dem Markt anbieten und gezielt zur Geltung bringen möchten.
Obwohl der Reisanbau auf eine Geschichte zurückblickt, die bis in die 1950er-Jahre reicht, und inzwischen eine bedeutende wirtschaftliche Rolle in der Region Oristano spielt, genießt Reis auf Sardinien nicht dieselbe symbolische Anerkennung wie andere landwirtschaftliche Erzeugnisse.
Wenn von italienischem Reis die Rede ist, denkt man häufig an das Piemont, die Lombardei oder Venetien. Auf Sardinien hingegen wird Reis noch immer kaum als identitätsstiftendes Produkt wahrgenommen. „Der größte Konkurrent des Reises auf Sardinien ist Fregula“, bemerkt Carlo.
Dieser Unterschied zeigt sich auch auf den Speisekarten der Restaurants. Häufig steht dort schlicht „Risotto“, allenfalls ergänzt durch den Namen der verwendeten Reissorte. Viel seltener werden der landwirtschaftliche Betrieb, der Produktionsort oder die Herkunftsregion genannt. Dabei bedeutet die Angabe, dass ein Reis aus der Ebene von Oristano stammt, mehr als nur eine Information über die Zutat: Sie macht eine Agrarlandschaft, ein Produktionssystem und eine Gemeinschaft von Menschen sichtbar, die daran arbeiten, diese Landschaft lebendig und produktiv zu erhalten.
Im Laufe der Jahre hat der Betrieb Beziehungen zu Köchen und Gastronomen aufgebaut, die sardischen Reis verwenden und seine Herkunft hervorheben möchten. Zu den von Carlo Ferrari genannten Betrieben zählen das Ulìa Restaurant von Chefkoch Salvatore Camedda und das Confusion Restaurant von Chefkoch Italo Bassi. Beide legen Wert darauf, auch die Herkunft der verwendeten Zutaten kenntlich zu machen.
Aus Sicht der Familie Ferrari kann diese Zusammenarbeit jedoch über eine rein geschäftliche Beziehung zwischen Erzeugern und Abnehmern hinausgehen. Gastronomen können zu Partnern werden, mit denen sich gemeinsame Projekte entwickeln lassen und die dazu beitragen, den Wert eines Rohprodukts verständlich zu vermitteln.
Aus diesem Gedanken entstand die Rubrik Storie di territorio („Geschichten aus der Region“), die Francesca Mattana, Verantwortliche für Kommunikation, ins Leben gerufen hat. Sie soll Gastronomen aus dem Gebiet des Sinis einbeziehen, die das Interesse teilen, die Region, in der sie arbeiten, bekannter zu machen. Das Projekt verbindet Reis, Küche und Menschen, die dazu beitragen können, die Geschichte der Region zu erzählen.
Es ist ein Prozess, der Zeit und Kontinuität erfordert, aber dazu beitragen kann, eine weniger abstrakte gastronomische Identität aufzubauen – eine Identität, die auf den tatsächlichen Beziehungen zwischen denjenigen beruht, die Lebensmittel erzeugen, und denjenigen, die sie weiterverarbeiten.
Ein Aspekt tritt besonders deutlich hervor, wenn Carlo über die Zukunft des Betriebs spricht: der Wunsch, dazu beizutragen, Arbeitsplätze und Beschäftigungsmöglichkeiten auf Sardinien zu erhalten – auf einer Insel, die weiterhin mit Abwanderung und dem Wegzug vieler junger Menschen zu kämpfen hat.
„Im Familienbetrieb zu arbeiten“, betont er, „kann nicht allein darauf beruhen, dass man zur Familie gehört. Jeder muss etwas einbringen, eine Fähigkeit weiterentwickeln und einen Beitrag leisten, den man mit den anderen teilt.“ Es ist ein sensibles Gleichgewicht, in dem persönliche Beziehungen nicht ständig die betrieblichen Entscheidungen überlagern dürfen. Zugleich ist es eine notwendige Voraussetzung dafür, dass sich der Generationswechsel nicht auf die bloße Übertragung des Eigentums beschränkt, sondern von einem Projekt getragen wird, das den Betrieb langfristig sichert.
Die Landwirtschaft wird so zu einem Raum, in dem sich berufliche Kompetenzen aufbauen, technische Fähigkeiten entwickeln und Perspektiven für Menschen schaffen lassen, die arbeiten möchten, ohne dafür zwangsläufig die Insel verlassen zu müssen. Damit dies gelingt, müssen Unternehmen in der Lage sein, Werte zu schaffen und sich an veränderte Märkte anzupassen. Wirtschaftliche Nachhaltigkeit wird damit auch zu einer Voraussetzung für soziale Nachhaltigkeit.
Das ist einer der Gründe, warum die Familie Ferrari in der Diversifizierung eine strategische Richtung sieht. Reis bleibt das Herzstück ihrer Geschichte, kann aber zugleich Ausgangspunkt für neue Produkte und Tätigkeitsfelder sein. Dazu gehört auch, mehr Schritte der Wertschöpfungskette in den eigenen Betrieb zu integrieren, insbesondere bei der Verarbeitung und Verpackung. Kürzere und besser kontrollierbare Produktionsabläufe können dazu beitragen, den Wert des Produkts zu steigern und die Verbindung zwischen Anbau, Verarbeitung und Markt zu stärken.
Daneben gibt es Projekte, die sich noch in der Prüfungsphase befinden. Einige davon gehen über den Lebensmittelbereich hinaus und befassen sich mit der Nutzung von Verarbeitungsrückständen. Die Idee ist, dort, wo es technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, ein System zu schaffen, in dem das, was bei einem Prozess übrig bleibt, zum Rohstoff für einen anderen werden kann.
Ein gutes Produkt anzubauen, reicht nicht aus. Ebenso wenig genügt es, wenn eine Zutat in einigen Restaurants verwendet wird. Es braucht Zeit, Wiedererkennbarkeit und Beziehungen. Erzeuger, Verarbeiter, Händler und diejenigen, die darüber erzählen, müssen lernen, den Wert dessen zu erkennen, was direkt vor ihrer Haustür liegt.
Für den sardischen Reis bedeutet das auch, sich von der Vorstellung zu lösen, dass sein Anbau auf der Insel lediglich eine interessante Besonderheit ist, die es zu entdecken gilt. Der Reisanbau ist eine landwirtschaftliche Tätigkeit mit einer eigenen Geschichte, spezifischem Fachwissen, Investitionen und einer konkreten wirtschaftlichen Bedeutung. Seine Anerkennung hängt davon ab, ob es gelingt, ihn in das heutige Bild Sardiniens einzubinden – ohne ihn in eine Tradition zu pressen, zu der er nicht gehört, und ohne ihn als weniger identitätsstiftend zu betrachten, nur weil er eine jüngere Geschichte hat.
Die Identität einer Region entsteht sehr oft durch die Arbeit derjenigen, die sich dafür entscheiden, in einen Ort zu investieren, ihn zu gestalten und Verantwortung dafür zu übernehmen, dass er produktiv bleibt.